Eine spannende und nervenaufreibende Achterbahnfahrt erlebte das Team vom Windmühlenweg bei der Deutschen Meisterschaft im Mai 2025, die mit einem sensationellen Dritten Platz endete. Begonnen hatte alles am Anreisetag in Willingen mit einer Hiobsbotschaft: Xaver, unser stärkster Spieler, lag krank mit Fieber im Bett und konnte nicht kommen!
Damit war mein/unser Plan A (Angriff auf den Meistertitel, wo wir uns als #5 gesetztes der 48 Teams große Chancen diesmal ausrechneten) fast gescheitert und wir mussten zunächst umstellen. Frederic, der eigentlich Erfahrungen im Ersatzspielerturnier sammeln sollte, sah sich plötzlich als Stammspieler an Brett vier wieder. Arjun und Thore, die wie im Vorjahr dafür vorgesehen waren „Hinten“ dicht zu machen und alles abzuwehren an Brett 3 und 4, mussten plötzlich aufrücken auf Brett 2 und 3 und Kaichen war somit unsere Spitze, die alle „Brocken“ der Gegner abbekommen würde.
Wir hofften nun, dass Xaver noch gesunden werde und vielleicht nach 2 Runden noch einsteigen könnte. Bis dahin war die Hoffnung auf PLAN A noch groß, dennoch auch ohne ihn, zwei Siege einzufahren, da es erfahrungsgemäß erstmal gegen schwächere Gegner geht (Schweizer System), und die Vorbedingungen zu schaffen, dass wir so lange aushalten, bis Xaver als entscheidende Verstärkung kommt. So hielten wir engen Kontakt zu Xaver nach Hamburg und hofften.
Im ersten Spiel ließen wir auch nix anbrennen und gewannen 3,5:0,5 gegen die Hüllbergschule aus Witten (Platz 26. am Ende) . Im zweiten Spiel dann, kam es zum ersten Hamburger Derby gegen die Goldbekschule (14.am Ende), das wir knapp für uns entscheiden konnten mit 2,5:1,5 . Zur Überraschung waren wir Tabellenführer. Der erste Dämpfer kam dann gegen Oldesloe (10. am Ende), wo wir eine knappe Niederlage mit 1,5:2,5 einstecken mussten, bevor wir wieder auf Kurs waren und gegen Bernshausen (36.am Ende) am Ende des ersten Tages glatt mit 4:0 gewannen.
Somit hatten wir noch alle Voraussetzungen für PLAN A, wenn Xaver denn noch kommen würde. Aber es sollte nicht sein. Es stand nun abends definitiv fest, dass wir ohne ihn das Turnier bestreiten mussten. Irgendwie drückte das auf die Stimmung und am 2. Tag morgens verloren wir sang- und klanglos gegen Tegernheim 0:4 (am Ende 16.) und fanden uns auf einem zweistelligen Tabellenplatz bei 48 Teams mit 6:4 wieder.
Da mussten wir uns erstmal wieder durch einen Besuch in der Eisdiele aufbauen:
Nun hieß es umdenken und Plan B angehen : In der Setzliste waren wir nun ohne Xaver die #12, und ich gab das neue Ziel vor: ein einstelliger Platz ist eine gute Leistung für dieses Team. Dieses neue realistische Ziel bestärkte das Team und gegen Wasserkampstraße Hannover (21.am Ende) gab es ein glattes 4:0 was uns auf die Erfolgsspur zurückführte. Nachdem wir auch im Folgematch 3,5:0.5 gegen Bad Homburg (am Ende 17.) gewannen, waren die Jungs im Flow: Das zweite Duell der Hamburger wurde gegen die Genslerstraße (am Ende 15.) mit 2,5:1,5 gewonnen. Hier zeigte das Team den Mannschaftsgeist: trotz der Niederlage von Kaichen am Spitzenbrett gegen seinen „ewigen“ Hamburger Rivalen Jonathan, holten Frederic und Thore zwei Punkte und Arjun steuerte ein Remis zum Sieg bei.
Gerd der Bär, unser Maskottchen, nickte zufrieden
So waren wir ein Spiel vor Schluss bis auf den 5. Platz vorgerückt und konnten vor der Schlussrunde schon sagen: Ziel gemäß PLAN B „einstellige Platzierung“ erreicht! Im allerletzten Spiel war es nun „Kür“. Wie die Experten ausgerechnet hatten, würde uns ein Sieg aufs Treppchen bringen und eine Niederlage den mit Plan B angestrebten einstelligen Platz lassen. Allerdings hatte der Gegner 200 DWZ im Schnitt mehr als wir: (die 1201 in der folgenden Tabelle waren incl. Xaver!)
Gegner im letzten Spiel am Sonntag war das Team von der Knappertsbuschstraße in Hannover, dem Titelverteidiger aus 2024! Die hatten das Turnier souverän begonnen, lagen zeitweise drei Mannschaftspunkte in Front, schwächelten aber im letzten Drittel des Turniers. So verloren sie nachträglich durch eine Unsportlichkeit ein 3-1 zum 2-2 und spielten auch im Folgespiel 2-2 und verloren eine Partie gegen einen Mitkonkurrenten. Nervlich ziemlich am Ende, mussten sie gewinnen, ebenso, wie wir um aufs Treppchen zu kommen. Am Abend vorher hielten wir eine Versammlung des Teams beim HSV-Aufstiegsspiel-Schauen ab und berieten, wie wir vorgehen wollten. Da das Match unter scharfer Beobachtung der Schiris (wg. der vorausgegangenen Unsportlichkeit von Knappertsbusch) stand, wurden alle angewiesen, sich nicht von den Plätzen zu rühren, alles zu unterlassen, was Anlass zu Protesten geben konnte. Das war einerseits schon eine gewisse Anspannung, wobei andererseits der HSV Aufstieg uns beflügelte, zu sagen, wenn der HSV das schafft, warum wir nicht auch?
Gegen die starken Knappertbuscher, die eindeutig stärker waren, haben wir keine Chance, nutzen wir sie.
Am Sonntag morgen dann im entscheidenden Match, remisierte Fredric rasch zunächst an Brett 4 und der Kampf zog sich in die Länge. Thore stand schlechter und Arjun erwehrte sich heftiger Angriffe. Am Spitzenbrett konnte man Kaichen „grübeln“ sehen. Kein gutes Zeichen. Dann ging der Spieler, gegen den Frederic remisiert hatte, von außen wieder an das Brett seines Teamkollegen und beriet sich mit diesem, was den Argusaugen der Schiris natürlich nicht entging, die sofort die Partie für das Brett 2 für Knappertsbusch verloren gaben und Arjun einen überraschenden Punkt bescherten, der dann durch die Niederlage von Thore egalisiert wurde. So stand es 1,5:1,5 und ein Sieg von Kaichen wäre Platz 3 !!! Er „knetete“ mit seinen 300 DWZ weniger, seine schwächere Stellung und kam zu der Ansicht, dass ein Remis gut wäre und bot es an. Das hätte bedeutet, dass Knappertsbusch nicht aufs Treppchen gekommen wäre, da denen ein 2:2 nicht reichte. Für Kaichen und uns wäre das Remis ein Riesenerfolg, für den Titelverteidiger nicht schön gewesen. Der Gegner lehnte deshalb ab und die Partie ging dann langsam in die Zeitnotphase über, wo sich Kaichen zurückkämpfte und Zug um Zug in Vorteil kam. Es wurde ja 2×30 Minuten gespielt und als nur noch insgesamt vier Minuten zu spielen waren, wurde es heftig und die Figuren flogen nur so vom Brett. Als der Gegner nur noch mit dem König zog, war von außen klar, dass es nun eine Zeitfrage war, ob Kaichen vor Ablauf seiner Zeit mattsetzen konnte. Inzwischen war der Turniersaal leer und nur noch an diesem einen Brett wogte der Kampf gegen die Zeit. Und Kaichen schaffte es: mit nur noch 20 Sekunden auf der Uhr, setzte er matt und bescherte uns den sensationellen dritten Platz. Danach kannte unser Jubel keine Grenzen!!!!
Das Team spielte sehr ausgeglichen und diszipliniert: Kaichen hatte 6:3, Arjun 5:4, Thore und Frederic hinten 6,5:2,5
Ergebnisse der einzelnen Spieler
Nächstes Jahr wird das gleiche Team antreten. Wir hoffen dann wieder auf PLAN A, mit Xaver!!!
Vom gesamten Getümmel unbeeindruckt spielte Thea, unsere Vorschülerin, beim Ersatzspielerturnier mit und erzielte gegen die Konkurrenz zwei Remis und einen Sieg in den neun Runden. Für eine sechsjährige gegen die teilweise Dritt- und Viertklässer eine reife Leistung. Im letzten Spiel spielte sie eine 40- Minuten Partie voll konzentriert durch.
Ich danke den begleitenden Eltern für die Unterstützung an diesen drei denkwürdigen Tagen!



